Die Zeit ist lange vorbei. Die junge Frau aus der kleinen Seitenstrasse musste mangels Aufträgen ihren kleinen Laden schließen und ging als Regalschlichterin in einen Supermarkt um das Studium ihrer Söhne zu finanzieren, der Schuster ging in Pension und sein geschlossener Laden klaffte lange Jahre wie eine nie verheilte offene Wunde in der Häuserzeile in dem alten Wohnviertel in Wien. Ich bin dann weggezogen aus jenem Viertel, habe so, wie alle anderen auch, meine laufmaschenbehafteten Strümpfe weggeworfen und halt neue gekauft, unzählige Schuhe bevölkern meine Kästen und mehr als ein „Absatz richten“ rentiert sich bei den heutigen Reparaturpreisen heutzutage kaum mehr. Meine Garderobe kaufe ich passend und meine Bettwäsche ist nicht mehr handgenäht und bestickt sondern aus dem schicken Laden in der Innenstadt. Das, was mir jedoch bis vor kurzer Zeit geblieben war, war meine Überzeugung, dass, wenn man etwas kauft, es schon etwas ordentliches sein muss. Porzellan von einer Markenfirma, weil man zerbrochene Teller nachkaufen kann, Gläser von Riedel, weil die Beständigkeit des Designs gegeben ist, Teppiche weil wertbeständig, Bilder weil sie im Laufe der Zeit im Wert steigen, Uhren und Schmuck von namhaften Firmen und elektronische Geräte weil man so etwas ja nicht alle Tage erwirbt.
Nun lebe ich zwischenzeitlich seit sieben Jahren auf dieser Insel und mein Weltbild ist ziemlich verrutscht. Ich gebe ja zu, dass es auch einer Firma Hutschenreuther erlaubt sei eine Porzellanserie nach 30 Jahren aus dem Programm zu nehmen, aber es macht mich traurig, dass ich irgend wann gezwungen sein werde ein komplettes Service kaufen zu müssen, weil ich Einzelteile nicht mehr erwerben kann. Die mundgeblasenen Riedelgläser zieren unverwendet meinen Gläserschrank, weil die Preise schwindelnde Höhen erreicht haben und eine Windböe auf der gedeckten Terrasse 140,-- Euro pro Glas kostet und die „wertbeständigen“ Teppiche sind dank erweiterten Handelsaktivitäten der asiatischen Länder nur mehr einen Bruchteil ihres Kaufpreises wert. Der Preis eines Bildes hat sich von jeher nach Angebot und Nachfrage gerichtet, also bleiben nur mehr Uhren und Schmuck als Wertanlage. Glaubte ich.
Hier auf der Insel gibt es einige wirkliche tolle Läden wo man Markenuhren von Tissot, Maurice Lacroix oder Raimond Weil kaufen kann und weil mechanische Uhrwerke heutzutage einerseits unpraktisch und anderseits ja kaum bezahlbar sind kauft man sich so ein erlesenes und batterieversehenes Stück. Man freut sich über das funkelnde Kleinod am Gelenk, ist stolz darauf, dass man es in Teneriffa rund 30 % billiger als am Festland erworben hat und fällt spätestens dann aus allen Wolken wenn ein unschöner Kratzer das Glas verunziert und man es auswechseln lassen möchte. „Reparaturen machen wir nicht“ war die ernüchternde Aussage des Verkäufers, „aber ich kann ihnen hier ein schönes neues Modell anbieten.“ Eine Uhr vom Straßenhändler am Plaza Charca hätte wahrscheinlich genau so lange gehalten, vielleicht ein bisserl weniger gefunkelt, aber mich nur einen Bruchteil gekostet.
Meine Mutter ist schon vor vielen Jahren gestorben und ich kann mit ihr nicht mehr über ihre Aussage „wer billig kauft, kauft teuer“ diskutieren. Sie würde auch nicht verstehen, dass ein 3 Monate altes elektronisches Gerät , egal wie teuer es war, schlichtweg veraltet ist und Schuhe heute das zehnfache von einst kosten, es aber keinen netten alten Schuster mehr gibt, der „das mach´ma schon“ sagt.
Irgendwie traurig
meint Eure Wienerin
Irene-Christine Graf
Irene-Christine Graf
ausser wahre Freundschaft
Gruß Natascha
Ja natürlich kann das passieren, aber dann war es keine wahre Freundschaft.
Für mich bedeutet wahre Freundschaft in guten wie in schlechten Zeiten,
in Nähe und der Ferne und das seit 35 Jahren, unverändert. Dafür bin ich
dankbar und ich werde sie weiterhin gut pflegen.
Liebe Grüße
Natascha