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  • Wertbeständigkeit

    Vor langer Zeit einmal, es muss so um 1965 gewesen sein, als Nylonstrümpfe für uns Mädchen noch ein heiß begehrtes Weihnachtsgeschenk waren, lebte in einer kleinen Seitenstrasse in Wiens viertem Bezirk eine junge Frau, die sich ihre kärgliche Kriegshinterbliebenenrente mit dem Reparieren jener laufmaschengefährdenden Wäschestücke aufbesserte. Nicht unweit davon hatte ein alter Schuster seinen Laden, der mit geschickten Händen den Absatz meiner ersten und damals einzigen Stöckelschuhe, die zweckentfremdet einen Fussball getreten hatten, richtete, und mir die tröstenden Worte „das mach´ma schon, kleines Fräulein“ mit auf den Weg gab. Nie vergessen werde ich auch jene unsagbar hässlichen Kleidungsstücke die mir meine Mutter nach Maß schneidern ließ und die auf „Vorrat“ geschnitten waren. „Weil das Kind doch so schnell wächst“ war ihre Argumentation gewesen und so wurden Berge von Reservestoffen in die Nähte eingearbeitet, damit sie im Laufe der Zeit wieder aufgetrennt und erweitert werden könnten. Nicht nur, dass die Röcke und Jacken zuerst zu weit und unförmig waren und im Laufe der Zeit auch so manchen Schaden durch jugendlichen Ungestüm davontrugen, aber man trug die Sachen halt auf. Tief in meiner Erinnerung schlummern auch jene Tage, als in der Vorweihnachtszeit die Näherinnen in unser Haus kamen um „dem Kind“ die Aussteuer zu nähen. Bewaffnet mit Ballen feinstes Leinen und sorgsam ausgesuchten Spitzen saßen sie unter der Aufsicht meiner Großmutter da, besserten die Bettwäsche meiner Mutter aus und nähten für mich Bettlaken, spitzenbesetzte Polsterbezüge und Überzüge. Nicht nur, dass ich mir damals doch so sehnlichst ein Tonbandgerät der Firma Stuzzi als Weihnachtsgeschenk gewünscht hatte und statt dessen Bettwäsche bekam, ich musste noch dazu meine Fertigkeit als ordentliche Tochter unter Beweis stellen und wurde gezwungen die blütenweiße Wäsche mit Monogrammen zu versehen. Man hat auch auf die erworbenen Sachen mehr aufgepasst damals und die Worte meiner Mutter „wer billig kauft, kauft teuer“ begleiteten mich ein Leben lang.

    Die Zeit ist lange vorbei. Die junge Frau aus der kleinen Seitenstrasse musste mangels Aufträgen ihren kleinen Laden schließen und ging als Regalschlichterin in einen Supermarkt um das Studium ihrer Söhne zu finanzieren, der Schuster ging in Pension und sein geschlossener Laden klaffte lange Jahre wie eine nie verheilte offene Wunde in der Häuserzeile in dem alten Wohnviertel in Wien. Ich bin dann weggezogen aus jenem Viertel, habe so, wie alle anderen auch, meine laufmaschenbehafteten Strümpfe weggeworfen und halt neue gekauft, unzählige Schuhe bevölkern meine Kästen und mehr als ein „Absatz richten“ rentiert sich bei den heutigen Reparaturpreisen heutzutage kaum mehr. Meine Garderobe kaufe ich passend und meine Bettwäsche ist nicht mehr handgenäht und bestickt sondern aus dem schicken Laden in der Innenstadt. Das, was mir jedoch bis vor kurzer Zeit geblieben war, war meine Überzeugung, dass, wenn man etwas kauft, es schon etwas ordentliches sein muss. Porzellan von einer Markenfirma, weil man zerbrochene Teller nachkaufen kann, Gläser von Riedel, weil die Beständigkeit des Designs gegeben ist, Teppiche weil wertbeständig, Bilder weil sie im Laufe der Zeit im Wert steigen, Uhren und Schmuck von namhaften Firmen und elektronische Geräte weil man so etwas ja nicht alle Tage erwirbt.

    Nun lebe ich zwischenzeitlich seit sieben Jahren auf dieser Insel und mein Weltbild ist ziemlich verrutscht. Ich gebe ja zu, dass es auch einer Firma Hutschenreuther erlaubt sei eine Porzellanserie nach 30 Jahren aus dem Programm zu nehmen, aber es macht mich traurig, dass ich irgend wann gezwungen sein werde ein komplettes Service kaufen zu müssen, weil ich Einzelteile nicht mehr erwerben kann. Die mundgeblasenen Riedelgläser zieren unverwendet meinen Gläserschrank, weil die Preise schwindelnde Höhen erreicht haben und eine Windböe auf der gedeckten Terrasse 140,-- Euro pro Glas kostet und die „wertbeständigen“ Teppiche sind dank erweiterten Handelsaktivitäten der asiatischen Länder nur mehr einen Bruchteil ihres Kaufpreises wert. Der Preis eines Bildes hat sich von jeher nach Angebot und Nachfrage gerichtet, also bleiben nur mehr Uhren und Schmuck als Wertanlage. Glaubte ich.

    Hier auf der Insel gibt es einige wirkliche tolle Läden wo man Markenuhren von Tissot, Maurice Lacroix oder Raimond Weil kaufen kann und weil mechanische Uhrwerke heutzutage einerseits unpraktisch und anderseits ja kaum bezahlbar sind kauft man sich so ein erlesenes und batterieversehenes Stück. Man freut sich über das funkelnde Kleinod am Gelenk, ist stolz darauf, dass man es in Teneriffa rund 30 % billiger als am Festland erworben hat und fällt spätestens dann aus allen Wolken wenn ein unschöner Kratzer das Glas verunziert und man es auswechseln lassen möchte. „Reparaturen machen wir nicht“ war die ernüchternde Aussage des Verkäufers, „aber ich kann ihnen hier ein schönes neues Modell anbieten.“ Eine Uhr vom Straßenhändler am Plaza Charca hätte wahrscheinlich genau so lange gehalten, vielleicht ein bisserl weniger gefunkelt, aber mich nur einen Bruchteil gekostet.

    Meine Mutter ist schon vor vielen Jahren gestorben und ich kann mit ihr nicht mehr über ihre Aussage „wer billig kauft, kauft teuer“ diskutieren. Sie würde auch nicht verstehen, dass ein 3 Monate altes elektronisches Gerät , egal wie teuer es war, schlichtweg veraltet ist und Schuhe heute das zehnfache von einst kosten, es aber keinen netten alten Schuster mehr gibt, der „das mach´ma schon“ sagt.

    Irgendwie traurig

    meint Eure Wienerin
    Irene-Christine Graf

    • Gast-Avatar
      #1
      Natascha kommentierte
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      Ja liebe Wienerin irgendwie traurig, nichts bleibt beständig
      ausser wahre Freundschaft

      Gruß Natascha

    • tenflor
      #2
      tenflor kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Zitat von Natascha Beitrag anzeigen
      ausser wahre Freundschaft
      Gruß Natascha
      die bleibt leider auch nicht immer

    • Gast-Avatar
      #3
      Natascha kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Zitat: Die bleibt leider auch nicht immer.

      Ja natürlich kann das passieren, aber dann war es keine wahre Freundschaft.
      Für mich bedeutet wahre Freundschaft in guten wie in schlechten Zeiten,
      in Nähe und der Ferne und das seit 35 Jahren, unverändert. Dafür bin ich
      dankbar und ich werde sie weiterhin gut pflegen.

      Liebe Grüße
      Natascha
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