Barrancos und andere Schluchten sind für mich immer interessant. Deshalb bin ich ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Sie sollten möglichst nicht zu unerreichbar sein, schließlich könnte das ja auch mal für Gäste interessant sein. Am besten sind also die Barrancos gleich vor meiner Haustür, und die befindet sich nun mal seit vielen Jahrzehnten im Orotavatal. Wenn ich irgendwo entlang gehe oder fahre, versuche ich möglichst einen Eindruck von der Beschaffenheit der Schlucht zu bekommen, manches scheint vielversprechend, und wenn es meine Zeit zulässt, untersuche ich die Gegend eines Tages genauer. Heute war so ein Tag.
Wir waren zu dritt, meine Frau, ein Freund und ich. Ziel war ein Barrancoabschnitt etwa 400 - 500 Höhenmeter über der Caldera. Wo und wie man in den Barranco hinabsteigen kann, wusste ich schon von früheren Erkundungen. Heute war das also eher ein leichtes Spiel. Nur die große Hitze konnte ein Problem werden. So weit wie möglich sind wir mit dem Auto gefahren, das Thermometer zeigte 33 Grad, da macht man keine langen Zustiege.
Im Abstieg zum Barrancobett bereiteten zwei kleine und leichte Kletterstellen keine Probleme. Schwieriger wurde es ab und zu durch die dichten Sträucher. Aber Fußspuren und leere Schrothülsen zeigten an, dass hier ab und zu Jäger unterwegs waren. Richtig schwer oder gar gefährlich wurde der Weg nie. Aber sehr lohnend. Der Duft der Strauchminzen lag etwas harzig in der Luft; dazwischen jede Menge Escobón (Ginster) und Adlerfarn. Hier im unteren Bereich vertrocknete alles zusehends, aber weiter oben schien es feuchter zu sein, dort war sattes Grün. Wirklich beeindruckend aber waren die Wände, die sich in unterschiedlichsten Farbtönen rechts und links auftürmten, Zeugen in grauer Vorzeit stattgefundener explosiver Eruptionen, deren Glutwolken sich hier abgelagert haben.
Eine Wand wies zahlreiche Löcher auf, manche hatten Kotstreifen, dort waren offenbar Lieblingsplätze größerer Vögel. In einer Nische war Reisig zu einem ziemlich großen Horst aufgeschichtet. Wir haben unterhalb der Wand nach Spuren gesucht, wer dort gebrütet haben könnte. Aber anders als in Europa fanden wir keine Speiballen (Gewölle), weil Mäuse und andere Kleinsäuger hier eher nicht zum Beutespektrum von Bussard, Schleiereule und Co. gehören. Dafür fand ich einen nahezu perfekt präparierten Schädel eines Lagarto (Gallotia galloti eisentrauti). Den habe ich mitgenommen und zuhause zu anderen Kuriositäten ins Regal gelegt.
Ganz bis unter die oberen Felsabstürze des Barranco-Ursprungs zu steigen erschien bei den Temperaturen wenig verlockend, so kehrten wir nach fast zwei Stunden voller Entdeckungen wieder um. Oberhalb des Einstiegs erwarteten uns drei Guardias Civiles. Ob das unser Auto sei, wollten Sie wissen, sobald sie unser ansichtig wurden, und ob ich ... hieße, wobei sie mir meine beiden letzten Vornamen, mit denen mich meine Eltern reichlich gesegnet hatten, zuriefen. Sie hatten schon ganze Aufklärungsarbeit geleistet. Nach einer kurzen Befragung, was wir hier täten und Überprüfung unserer Identität, war für sie alles erledigt - reine Routine zur Vorbeugung von Waldbränden. Wir haben uns noch ein paar Minuten nett unterhalten, was für mich immer wieder eine wichtige Erfahrung ist; denn in meiner Jugend hier auf der Insel hatte niemand gerne mit der Guardia Civil zu tun, weil das selten gut ausging. Das sitzt mir noch heute in den Knochen.
Ich fragte noch, ob wir gegen irgendwelche Bestimmungen verstießen oder uns frei bewegen dürften. "Nein, nein, alles in Ordnung, es gibt keine Verbote; Ihr dürft alles machen, aber im Hinblick auf die Hitze achtet bitte auf Eure Gesundheit und auf die Waldbrandgefahr!" Ein Lächeln, ein freundliches Winken aus dem Streifenwagen, weg waren sie. Wir haben dann in der Caldera angesichts der Hitze mit ein paar Bierchen (dort gibt es nur so verteufelt kleine Fläschchen!) ihren Rat beherzigt. Und morgen geht es, solange noch genügend Schatten ist, wieder durch einen Barranco im Tal, dann aber etwas anspruchsvoller.
Info zum Barranco: Mit etwas Suchen ist er leicht zu finden. Er befindet sich in der Näher einer im Rother beschriebenen Route im oberen Orotavatal, taucht aber in keinem Führer auf. Dennoch sehr lohnend. Wer ihn findet, bitte nicht verraten, wo er genau ist, damit andere auch richtig entdecken können. Stellt einfach ein Foto in diesen Thread, das Euch dort zeigt. Und schreibt, was Ihr erlebt habt. Tipp: lange Hosenbeine wegen der Sträucher. Dieser Barrancoabschnitt ist ungefährlich, man hat es aber leichter, wenn man schaut, wo schon andere gegangen sind.
lagarto66
Bergführer & Biologe
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näher an die Natur!
Wir waren zu dritt, meine Frau, ein Freund und ich. Ziel war ein Barrancoabschnitt etwa 400 - 500 Höhenmeter über der Caldera. Wo und wie man in den Barranco hinabsteigen kann, wusste ich schon von früheren Erkundungen. Heute war das also eher ein leichtes Spiel. Nur die große Hitze konnte ein Problem werden. So weit wie möglich sind wir mit dem Auto gefahren, das Thermometer zeigte 33 Grad, da macht man keine langen Zustiege.
Im Abstieg zum Barrancobett bereiteten zwei kleine und leichte Kletterstellen keine Probleme. Schwieriger wurde es ab und zu durch die dichten Sträucher. Aber Fußspuren und leere Schrothülsen zeigten an, dass hier ab und zu Jäger unterwegs waren. Richtig schwer oder gar gefährlich wurde der Weg nie. Aber sehr lohnend. Der Duft der Strauchminzen lag etwas harzig in der Luft; dazwischen jede Menge Escobón (Ginster) und Adlerfarn. Hier im unteren Bereich vertrocknete alles zusehends, aber weiter oben schien es feuchter zu sein, dort war sattes Grün. Wirklich beeindruckend aber waren die Wände, die sich in unterschiedlichsten Farbtönen rechts und links auftürmten, Zeugen in grauer Vorzeit stattgefundener explosiver Eruptionen, deren Glutwolken sich hier abgelagert haben.
Eine Wand wies zahlreiche Löcher auf, manche hatten Kotstreifen, dort waren offenbar Lieblingsplätze größerer Vögel. In einer Nische war Reisig zu einem ziemlich großen Horst aufgeschichtet. Wir haben unterhalb der Wand nach Spuren gesucht, wer dort gebrütet haben könnte. Aber anders als in Europa fanden wir keine Speiballen (Gewölle), weil Mäuse und andere Kleinsäuger hier eher nicht zum Beutespektrum von Bussard, Schleiereule und Co. gehören. Dafür fand ich einen nahezu perfekt präparierten Schädel eines Lagarto (Gallotia galloti eisentrauti). Den habe ich mitgenommen und zuhause zu anderen Kuriositäten ins Regal gelegt.
Ganz bis unter die oberen Felsabstürze des Barranco-Ursprungs zu steigen erschien bei den Temperaturen wenig verlockend, so kehrten wir nach fast zwei Stunden voller Entdeckungen wieder um. Oberhalb des Einstiegs erwarteten uns drei Guardias Civiles. Ob das unser Auto sei, wollten Sie wissen, sobald sie unser ansichtig wurden, und ob ich ... hieße, wobei sie mir meine beiden letzten Vornamen, mit denen mich meine Eltern reichlich gesegnet hatten, zuriefen. Sie hatten schon ganze Aufklärungsarbeit geleistet. Nach einer kurzen Befragung, was wir hier täten und Überprüfung unserer Identität, war für sie alles erledigt - reine Routine zur Vorbeugung von Waldbränden. Wir haben uns noch ein paar Minuten nett unterhalten, was für mich immer wieder eine wichtige Erfahrung ist; denn in meiner Jugend hier auf der Insel hatte niemand gerne mit der Guardia Civil zu tun, weil das selten gut ausging. Das sitzt mir noch heute in den Knochen.
Ich fragte noch, ob wir gegen irgendwelche Bestimmungen verstießen oder uns frei bewegen dürften. "Nein, nein, alles in Ordnung, es gibt keine Verbote; Ihr dürft alles machen, aber im Hinblick auf die Hitze achtet bitte auf Eure Gesundheit und auf die Waldbrandgefahr!" Ein Lächeln, ein freundliches Winken aus dem Streifenwagen, weg waren sie. Wir haben dann in der Caldera angesichts der Hitze mit ein paar Bierchen (dort gibt es nur so verteufelt kleine Fläschchen!) ihren Rat beherzigt. Und morgen geht es, solange noch genügend Schatten ist, wieder durch einen Barranco im Tal, dann aber etwas anspruchsvoller.
Info zum Barranco: Mit etwas Suchen ist er leicht zu finden. Er befindet sich in der Näher einer im Rother beschriebenen Route im oberen Orotavatal, taucht aber in keinem Führer auf. Dennoch sehr lohnend. Wer ihn findet, bitte nicht verraten, wo er genau ist, damit andere auch richtig entdecken können. Stellt einfach ein Foto in diesen Thread, das Euch dort zeigt. Und schreibt, was Ihr erlebt habt. Tipp: lange Hosenbeine wegen der Sträucher. Dieser Barrancoabschnitt ist ungefährlich, man hat es aber leichter, wenn man schaut, wo schon andere gegangen sind.
lagarto66
Bergführer & Biologe
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