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    #1

    unbekanntes (?) Orotavatal

    Barrancos und andere Schluchten sind für mich immer interessant. Deshalb bin ich ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Sie sollten möglichst nicht zu unerreichbar sein, schließlich könnte das ja auch mal für Gäste interessant sein. Am besten sind also die Barrancos gleich vor meiner Haustür, und die befindet sich nun mal seit vielen Jahrzehnten im Orotavatal. Wenn ich irgendwo entlang gehe oder fahre, versuche ich möglichst einen Eindruck von der Beschaffenheit der Schlucht zu bekommen, manches scheint vielversprechend, und wenn es meine Zeit zulässt, untersuche ich die Gegend eines Tages genauer. Heute war so ein Tag.

    Wir waren zu dritt, meine Frau, ein Freund und ich. Ziel war ein Barrancoabschnitt etwa 400 - 500 Höhenmeter über der Caldera. Wo und wie man in den Barranco hinabsteigen kann, wusste ich schon von früheren Erkundungen. Heute war das also eher ein leichtes Spiel. Nur die große Hitze konnte ein Problem werden. So weit wie möglich sind wir mit dem Auto gefahren, das Thermometer zeigte 33 Grad, da macht man keine langen Zustiege.

    Im Abstieg zum Barrancobett bereiteten zwei kleine und leichte Kletterstellen keine Probleme. Schwieriger wurde es ab und zu durch die dichten Sträucher. Aber Fußspuren und leere Schrothülsen zeigten an, dass hier ab und zu Jäger unterwegs waren. Richtig schwer oder gar gefährlich wurde der Weg nie. Aber sehr lohnend. Der Duft der Strauchminzen lag etwas harzig in der Luft; dazwischen jede Menge Escobón (Ginster) und Adlerfarn. Hier im unteren Bereich vertrocknete alles zusehends, aber weiter oben schien es feuchter zu sein, dort war sattes Grün. Wirklich beeindruckend aber waren die Wände, die sich in unterschiedlichsten Farbtönen rechts und links auftürmten, Zeugen in grauer Vorzeit stattgefundener explosiver Eruptionen, deren Glutwolken sich hier abgelagert haben.

    Eine Wand wies zahlreiche Löcher auf, manche hatten Kotstreifen, dort waren offenbar Lieblingsplätze größerer Vögel. In einer Nische war Reisig zu einem ziemlich großen Horst aufgeschichtet. Wir haben unterhalb der Wand nach Spuren gesucht, wer dort gebrütet haben könnte. Aber anders als in Europa fanden wir keine Speiballen (Gewölle), weil Mäuse und andere Kleinsäuger hier eher nicht zum Beutespektrum von Bussard, Schleiereule und Co. gehören. Dafür fand ich einen nahezu perfekt präparierten Schädel eines Lagarto (Gallotia galloti eisentrauti). Den habe ich mitgenommen und zuhause zu anderen Kuriositäten ins Regal gelegt.

    Ganz bis unter die oberen Felsabstürze des Barranco-Ursprungs zu steigen erschien bei den Temperaturen wenig verlockend, so kehrten wir nach fast zwei Stunden voller Entdeckungen wieder um. Oberhalb des Einstiegs erwarteten uns drei Guardias Civiles. Ob das unser Auto sei, wollten Sie wissen, sobald sie unser ansichtig wurden, und ob ich ... hieße, wobei sie mir meine beiden letzten Vornamen, mit denen mich meine Eltern reichlich gesegnet hatten, zuriefen. Sie hatten schon ganze Aufklärungsarbeit geleistet. Nach einer kurzen Befragung, was wir hier täten und Überprüfung unserer Identität, war für sie alles erledigt - reine Routine zur Vorbeugung von Waldbränden. Wir haben uns noch ein paar Minuten nett unterhalten, was für mich immer wieder eine wichtige Erfahrung ist; denn in meiner Jugend hier auf der Insel hatte niemand gerne mit der Guardia Civil zu tun, weil das selten gut ausging. Das sitzt mir noch heute in den Knochen.

    Ich fragte noch, ob wir gegen irgendwelche Bestimmungen verstießen oder uns frei bewegen dürften. "Nein, nein, alles in Ordnung, es gibt keine Verbote; Ihr dürft alles machen, aber im Hinblick auf die Hitze achtet bitte auf Eure Gesundheit und auf die Waldbrandgefahr!" Ein Lächeln, ein freundliches Winken aus dem Streifenwagen, weg waren sie. Wir haben dann in der Caldera angesichts der Hitze mit ein paar Bierchen (dort gibt es nur so verteufelt kleine Fläschchen!) ihren Rat beherzigt. Und morgen geht es, solange noch genügend Schatten ist, wieder durch einen Barranco im Tal, dann aber etwas anspruchsvoller.

    Info zum Barranco: Mit etwas Suchen ist er leicht zu finden. Er befindet sich in der Näher einer im Rother beschriebenen Route im oberen Orotavatal, taucht aber in keinem Führer auf. Dennoch sehr lohnend. Wer ihn findet, bitte nicht verraten, wo er genau ist, damit andere auch richtig entdecken können. Stellt einfach ein Foto in diesen Thread, das Euch dort zeigt. Und schreibt, was Ihr erlebt habt. Tipp: lange Hosenbeine wegen der Sträucher. Dieser Barrancoabschnitt ist ungefährlich, man hat es aber leichter, wenn man schaut, wo schon andere gegangen sind.

    lagarto66
    Bergführer & Biologe
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    näher an die Natur!
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    Zuletzt geändert von lagarto66; 22.08.2012, 00:14.

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    #2
    Ein interessanter Bericht und schöne Bilder, Danke, Lagarto.
    Da ich annehme, dass du als Biologe und Kenner der Insel über diese gut urteilen kannst, interessiert mich in diesem Zusammenhang folgendes: Wie schätzt du den allgemeinen Zustand der Vegetation auf der Insel nach monatelanger Trockenheit ein und wie lange wird die Insel brauchen, die durch die Brände entstandenen Schäden an der Natur zu regenerieren? Gibt es evtl. irreparable Schäden? Bemerkst du eine dauerhafte Veränderung des Klimas auf der Insel?
    Ich war letzten Winter dort und hatte den Eindruck, dass die Insel stellenweise so verdorrt und ausgetrocknet war, wie ich sie nicht kannte. Nun lese ich immer von Hitzewellen, fehlendem Niederschlag und Wasserknappheit. Ich mache mir ziemliche Sorgen um die Insel - sind diese berechtigt oder hat es solche Trockenperioden schon immer mal gegeben?
    Meine Fragen darf natürlich auch jeder andere Inselkenner beantworten. Mich macht es einfach traurig, zu wissen, dass die Insel momentan ziemlich leidet.

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      #3
      Hallo Condor,
      zunächst einmal: etwas besorgt bin ich auch um unsere Insel. Andererseits ist die zukünftige Gesamtentwicklung aus den vergleichsweise noch viel zu kurz erst auftretenden Wetterphänomenen seriös bestimmt noch nicht vorhersagbar. Meteorologen halten sich mit solchen Aussagen momentan sinnvollerweise noch sehr zurück. Es ist einfach ein himmelweiter Unterschied, ob gut entwickelte Computermodelle ein langfristig wahrscheinliches Szenario vorhersagen oder ob man berechtigterweise aktuelle Wetterereignisse solchen Zukunftsszenarien zuordnen kann, darf, muss.

      Tatsache ist, dass es im vergangenen Winter wesentlich zu geringe Niederschläge gegeben hat und dass wegen des daraus resultierenden Wassermangels ganze Landstriche weit stärker vertrocknet erscheinen, als es üblicherweise der Jahreszeit entspricht. Ein Trockenperiode haben wir mit Sicherheit. Mit Sicherheit ist dies auch nicht die erste, die diese schöne Insel trifft. Darauf gründe ich einen Teil meiner Aussagen und Hoffnungen. Ein wesentlicher Teil, wahrscheinlich vor allem die endemischen Pflanzen, sind an die hier immer wieder auftretenden Extreme mit hoher Wahrscheinlichkeit gut angepasst und werden diese Phase unter der Voraussetzung, dass diese nicht ins uferlose anhält, gut überstehen. Möglicherweise geben sie uns während der zu erwartenden Regenerationsphase interessante Hinweise auf ihre dabei benutzten Überlebensstrategien.

      Analoges lässt sich zu vielen Brandschäden sagen. Auch schon in prähistorischer Vergangenheit haben Vulkaneruptionen Brände ausgelöst, die damals bestimmt auch große Landstriche verwüsten konnten. Der jeweilige Schaden ist bestimmt nicht auf die von der Lava überfluteten Gebiete beschränkt geblieben. Das zutage getretene Regenerationsvermögen der Kanarenkiefer und anderer Pflanzen nach dem großen, nun schon ein paar Jahre zurückliegenden Feuer sind starke Indizien für diese Feststellung. Wir dürfen diese Aussage aber nicht generalisieren. Großflächige Brandschäden in der Laurisilva scheinen sich nicht so gut zu erholen. Man kann das aus zwei verschiedenen Anzeichen ableiten. An vielen ehemals von sehr artenreicher Laurisilva bedeckten Standorten finden wir heute als Ergebnis der historischen Waldrodungen zur Gewinnung von Nutzholz eine relativ artenarme Ersatzgesellschaft aus Baumheide und Gagelbaum, die man als Monteverde oder Fayal-Brezal bezeichnet. Sie gilt als Übergangsgesellschaft auf dem Weg zur Entwicklung einer neuen Laurisilva. Fayal-Brezal-Bestände haben aber eine so große Beständigkeit und Artenkonstanz, dass man z.B. im Teno-Gebirge vor einigen Jahren schon aktiv mit Pflanzungen typischer Laurisilva-Elemente und Entfernung weniger erwünschter Arten begonnen hat. Diese Florenenlemente breiten sich von allein anscheinend schlecht aus und sind unter diesem Aspekt wenig konkurrenzstark. Den zweiten Hinweis finden wir an Standorten, die sich in der Höhenstufe der Laurisilva befinden, wo auch eigentlich Laurisilva wachsen sollte, aber jegliches ihrer Florenelemente fehlt. Dort finden wir häufig Montpellier-Zistrosen, von denen bekannt ist, dass sie gerne auf ehemaligen Brandflächen wachsen. Diese Bestände sind sehr stabil und besagen ebenfalls, dass Laurisilva wahrscheinlich nicht feuerresistent ist.

      Andererseits finden wir in diesen Gebieten mit der Montpellier-Zistrose vergesellschaftet diverse Tabaibas und andere Elemente aus dem Sukkulenten-Trockenbusch. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich dieser Teil unserer Endemiten eher besser nach Bränden erholen kann.

      Du siehst, die Antwort ist verzwickt.

      Momentan hat uns wieder mal eine Hitzewelle im Griff. Anscheinend wird sie sich noch fortsetzen, aber AEMET aktualisiert die Prognosen und Warnungen immer nur für den nächstfolgenden Tag. Hoffen wir, dass der nächste Winter wieder besser im Sinne der Insel wird und mehr Niederschläge bringt, die nicht in großen Sturzbächen im Meer verschwinden. Die zunehmende Bodenversiegelung wirkt in dieser Hinsicht äußerst nachteilig.

      Herzliche Grüße
      lagarto66
      Bergführer & Biologe
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      näher an die Natur!
      Zuletzt geändert von lagarto66; 22.08.2012, 18:58.

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        #4
        Danke lagarto für deine ausführliche Antwort. Du hast dir ja wirklich viel Mühe gegeben. Deine Antwort beruhigt mich zunächst ein wenig, scheint es doch so, als ob die Natur sehr anpassungsfähig ist und durch auftretende Extremsituationen neue Wege findet bzw. neue Arten an Pflanzen hervorbringt oder diese so verändert, dass sie künftigen Extremsituationen besser standhalten können. Insofern klingt es also zuversichtlich. Voraussetzung dafür ist allerdings sicherlich, dass die anhaltenden Trockenperioden nicht dauerhaft sind und nicht in kurz aufeinanderfolgenden Abständen auftreten.
        Das Problem "Wasser" ist aber m.E. durch den ständig weiter ausgebauten Tourismus aber doch sicherlich auch ein sehr gewaltiges - gerade, wenn eine Trockenperiode sehr lang anhält. Ich frage mich, wielange kann ein derartiger Eingriff in die Natur (der Bau von unzähligen Hotelburgen speziell im Süden der Insel, wo besondere Trockenheit herrscht) gut gehen? Wie kann der ungeheure Wasserbedarf denn sichergestellt werden, beispielsweise auch z.Z. überhaupt noch aufrechterhalten werden? Als ich im Winter da war, waren ja bereits viele Auffangbecken nur noch dürftig gefüllt, weil es eben sehr lange trocken war. Durch die Brände, die große Flächen erst einmal vernichtet haben, ist doch sicherlich auch der natürliche Wasserkreislauf in Mitleidenschaft gezogen oder ist das ein Denkfehler? Wäre es nicht an der Zeit, einen geplanten, geregelten Tourismus auf der Insel einzuführen oder müssten nicht wenigstens Meerwasserentsalzungsanlagen geschaffen werden? Die Abwasserentsorgung ist damit dann allerdings auch noch nicht geklärt - entsprechend große Kläranlagen gibt es nicht und die Abwasser weiterhin fleißig ins Meer einzuleiten, halte ich ebenfalls für skandalös.
        Es wäre schön, wenn sich die vielen Teneriffa-Freunde auch über solche Dinge Gedanken machen würden und nicht nur darüber, ewig Sonne zu haben. Obwohl -das ist jetzt schon wieder ein anderes Thema...

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          #5
          Danke für den tollen Bericht.
          Ein Lächeln kostet nix, darum lächle jeden Tag

          Liebe Grüße

          Eva

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            #6
            unbekanntes? Orotavatal

            Hallo Lagarto66
            Toller Bericht und interessante Diskussion, da würde ich am liebsten sofort mit voller Ausrüstung und Bestimmungsliteratur mitziehen. Das Problem Brände wird so glaube ich bei uns Menschen mit all unseren evolutionären Mängeln oft zu kopflastik betrachtet. Es ist sicher und so geht und ging es mir auch immer furchtbar schwarz verkohlte Flächen zu sehen. Brände sind aber ,betrachten wir mal die Geschichte eins der wenigen finalen Ereignisse in der Natur mit der sie seit Millionen Jahren konfrontiert wird und auf die sie immer die richtigen Antworten hat. Ich habe mich in D intensiv mit diesem Thema beschäftigt und wir haben im Interesse des Naturschutzes gebrannt. Nicht nur Heide sondern auch Feuchtwiesen haben davon profitiert. Alle von "hochentwickelten Lebewesen" praktizierten Pflegemaßnahmen waren nur teure und dilettantische Versuche einen bestimmten Entwicklungszustand eines Biotops zu erhalten. Ein Beispiel; die Colbitz -Letzlinger Heide wurde von Russen zu DDR Zeiten regelmäßig abgefackelt. Das Ergebnis war ein unvergleichliches Biotop mit einmaligen Heuschreckenpopulatinen, mit Heidekrautsämlinge und mit wohl der größten Ansammlung an Wiedehopfen in der Mitte Deutschlands. Die Lüneburger Heide dagegen war schön grün und und im Spätsommer lila, aber sie war durch die Pflege mit im Stall gefütterten idyllischen Heidschnucken überdüngt und Artenarm.
            Ich bin bestimmt Niemand der Teneriffa brennen sehen möchte aber diese Insel ist aus Feuer entstanden und sie wird auch ohne uns Menschen sich alles wieder zurückholen was wir Ihr durch Unbedachtheit angetan haben.
            Gibt es da eigentlich Feuerwachen. Wir hatten "früher" ein Netzt von Feuerwachtürmen auf denen zu Waldbrandseite Forstangestellte und und engagierte Bürger wache gehalten haben und bei der geringsten Rauchentwicklung sofort mit genauer Ortsangabe Alarm auslösten und so größere Feuer vermieden werden Konnten.

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              #7
              Hey Condor,
              das sind wieder ganz schön viele Fragen, aber durchaus richtig gestellte. Sie sind für die Insel und damit auch für uns wichtig.

              Bisher muss man wohl sagen, dass der Verlauf der letzten 12 Monate nicht dem Normalen entspricht. Gegenüber den vielen Jahren davor mit anderen Temperatur- und Niederschlagsverläufen mag das zwar auffällig sein, verändert aber zunächst einmal die bisherige Wetterstatistik und die bisherigen Klimadiagramme überhaupt nicht. Momentan ist das nichts weiter als eine extreme und für uns ungewohnte und unangenehme Situation. Über Winter mit reichlich Niederschlägen hat sich seinerzeit bestimmt nur jemand beschwert, der durch den Regen in seinem Freizeitverhalten beeinträchtigt worden ist, und im Sommer hat das niemanden gekümmert, selbst bei Calima nicht. Jetzt kommen - zunächst gesehen zufällig - zwei Ereignisse zusammen, nämlich ein niederschlagsarmer Winter und ein paar Calima-Perioden mehr als üblich. Mehr ist momentan als Fakt nicht feststellbar.

              Natürlich sind die Wasservorräte jetzt eher gering; eigentlich reichen sie ja jetzt schon für das zweite Jahr. Das zeigt aber umgekehrt, dass die momentane Situation sich zwar prekär entwickeln kann, dass aber die Insel grundsätzlich über einen guten Wasserhaushalt verfügt. Was wir derzeit nicht erkennen können: ob aus der Niederschlagsarmut ein neuer Trend entstehen wird. Wir wissen also auch nicht, ob unsere beiden Rollen derjenigen der beiden Fensterputzer entspricht, die aus dem 95.Stockwerk eines Hochhauses abgestürzt sind. Der eine schreit entsetzlich, und der andere giftet nach einiger Zeit des freien Falls: "Was schreist Du denn so, es ist ja noch nichts passiert!"

              Bisher konnte die Insel ihren Wasserbedarf zu etwa 90% aus eigenen Vorräten / Niederschlägen decken. Daran wird sich - wahrscheinlich - auch in den nächsten Jahren grundsätzlich wenig ändern, selbst wenn Trockenperioden weiterhin auftreten sollten - die hat es früher auch immer mal wieder gegeben. Meerwassersentsalzung ist eher keine gute Lösung, weil sie die Salinität des Ozeans erhöht, was einige Auswirkungen auf die marinen Lebewesen und ihre Ökosysteme nach sich zöge. Insofern würden wir nur unser Luxusproblem durch die Schaffung neuer Probleme verlagern und letztendlich nicht lösen.

              Eine Kontingentierung der Wasserzuteilungen könnte eine Lösung sein, vermutlich aber keine gute. Ich bin heute den Risco de Teno emporgestiegen und hatte einmal wieder einen guten Blick auf die - aus meiner Sicht höchst überflüssigen - Golfplätze von Buenavista, für deren Grün erhebliche Wassermengen täglich vergeudet (?) werden. Man könnte sie ja verdorren lassen wie das umgebende Brachland. Für den Tourismus wäre das eher negativ, das kaputte Image bliebe länger als die Trockenzeit. Wenn solche Entscheidungen ohne ausreichende Folgenabschätzung realisiert werden, ist es meistens nicht mehr möglich, etwas rückgängig zu machen, ohne gleichzeitig andere gravierende Probleme zu erzeugen. Wir brauchen also mehr vorausschauende Planung in der Inselentwicklung, kein situationsabhängiges Flickwerk. Da ist noch viel zu lernen und zu entwickeln.

              Brände, die die Corona Forestal betreffen, haben bisher wohl eher keinen Einfluss auf den Wasserhaushalt der Insel. Meistens bleiben die Nadeln - zwar gelb und tot - an den Ästen und Zweigen und sind somit weiterhin Sammler für Nebeltröpfchen aus den Wolken (horizontaler Regen). Ab dem Folgejahr treiben neue Nadeln aus und die abgestorbenen Nadeln schützen anstelle der verbrannten Pinoche den Boden vor rascher Austrocknung. Verbrannte Laurisilva dürfte da negativere Auswirkungen haben, aber das ist bisher noch eher die Ausnahme.

              Die Einleitung von Abwässern ins Meer ist illegal, soll aber vorkommen. Ich habe damit aber keine eigenen Erfahrungen. Andererseits zeigen die vielen blauen Flaggen, die Tenerifes Strände verliehen bekommen, dass diese Aktionen nicht die Regel sein können, sonst wäre unser Wasser Coli-verseucht. Selbst die Mole von San Telmo, für mich das schönste Badewasser in weitem Umkreis und mitten in Puerto, hat die blaue Flagge trotz der Hotels nebenan.

              Also aufmerksam bleiben!

              Um im Tourismus mehr zu regulieren, bräuchten wir wahrscheinlich ein anderes Wirtschaftsmodell. Dafür bin ich aber nicht zuständig.

              Herzliche Grüße
              lagarto66
              Bergführer & Biologe
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                #8
                Ja, Zoopeter, wir haben Feuerwachen, die rund um die Uhr besetzt sind. Meist sind sie mit Studenten besetzt, die dort fuer 4 Monate einziehen und Leben. Von den Tuermen kann man weit ueber Waelder sehen. Verbunden sind sie direkt mit Rangern und Bombeiros.
                Quelque chose- sur- Mer.... 200gr frischen Thunfisch zerkleinern;200grkl.Tomaten;OlivenÖl,1kl.Chilischo te;1Knoblauchzehe,Salz,320gr Pasta<Pacheri zB.,2ELOliven,schwarzer Pfeffer,frische Petersilie,pocoBasilicum, Schale< Biozitrone. Heiss anbraten, fertig köcheln.Pasta kochen<2" vor Ende aus dem Wsser und zur Thunfischpfanne geben+ 1Kelle Nudelwasser. Basilic.Petrersil ;Zitronabrieb und Oliven drüber- Flasche Ros`e..

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                  #9
                  hallo Zoopeter,

                  Ihr in Deutschland habt uns ja einiges voraus: Bei Euch endete die Steinzeit vor etwa 5000 Jahren, hier lebten alle vor 500 Jahren noch mitten drin. Da ist bestimmt bei Euch vieles wesentlich weiter entwickelt als bei uns, selbst wenn Ihr durch den Arbeiter- und Bauernstaat vom Fortschritt der restlichen Welt abgekoppelt wart. Aber Feuerwachtürme und Brandwachen rund um die Uhr gibt es bei uns doch schon und nicht erst seit gestern. Manches andere auch!

                  Die Erkenntnisse im deutschen Naturschutz sind mir selbst sehr gut bekannt. Ich bin umweltpolitscher Sprecher und Vorstandsmitglied eines Landesverbandes eines der größten deutschen Naturschutzverbände. Was wir in Deutschland unter anderem, wie Du ja sehr richtig beschreibst, erkennen müssen, ist, dass viele gut gemeinte Maßnahmen eher kontraproduktiv und differenzierte Analysen und Maßnahmen gefragt sind. Man kann auch in Deutschland die Erkenntnisse aus einem Lebensraum A nicht ohne Weiteres auf den nur wenige Kilometer entfernten Lebensraum B übertragen. Und das gilt noch viel mehr für die Ökosysteme hier. Erst recht darf man nicht Erkenntnisse aus deutschen Heiden und anderen Ökosystemen auf Tenerife ungeprüft übertragen. Hier ist nicht nur eine EU-Sonderzone, hier ist auch eine weltweit einmalige Sammlung von Ökosystemen und die sind empfindlich und bedroht, selbst wenn sie stabil erscheinen mögen. Wenn Du hier zum Naturschutz etwas beitragen willst, solltest Du bitte nur Dein ökologisches Grundwissen beibehalten und ggf. erweitern, aber die spezielle Ökologie dieser Insel erst einmal erlernen. Dass hier Pflanzen feuerresistent sind, ist Fakt, dass Feuer dennoch keine Förderung der Ökosysteme bewirken, ist ebenso Fakt. Sonst bräuchten wir hier auch keinen vorbeugenden Brandschutz, der wesentlich aufwändiger als in Deutschland ist. Deutsche Erkenntnisse auf Tenerife zu übertragen, wäre sehr schnell sehr fatal.

                  Deine Begeisterung für Tenerife teilen hier sicherlich sehr viele. Begeisterung ist aber kein Ersatz für Sachkenntnis und Verständnis für die Zusammenhänge. Ich arbeite daran schon bald 50 Jahre. Du darfst Dir auch Zeit lassen. Leute, die ganz schnell verkünden, wie gut sie alles von dieser Insel verstehen, haben wir schon reichlich.

                  lagarto66
                  Bergführer & Biologe
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                    #10
                    unbekanntes(?) Orotava

                    Ich glaube da habe ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt, ich wollte keine Ratschläge für Handeln geben und es ist mir bewusst was Brände auch für kleine und besonders endemische Lebensräume anrichten. Die fragen mit den Wachen habe ich nur deshalb gestellt, weil in dem Teil Deutschlands in dem ich aufgewachsen bin dieses System nach der Wende wie so vieles Andere abgeschafft wurde, und mir das bei meinen Besuchen auf der Insel nicht aufgefallen ist.
                    Zum Naturschutz in Deutschland: ich hebe die erste NABU Kreisorganisation in den neuen Ländern gegründet habe also beides erlebt.

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                      #11
                      Zitat von lagarto66 Beitrag anzeigen
                      Meerwassersentsalzung ist eher keine gute Lösung, weil sie die Salinität des Ozeans erhöht, was einige Auswirkungen auf die marinen Lebewesen und ihre Ökosysteme nach sich zöge.
                      Hallo Lagarto,

                      das verstehe ich nicht. Das "entsalzte" Wasser gelangt doch so oder so wieder ins Meer zurück. Der Salzgehalt ändert sich in Summe nicht. Wo ist das Problem?

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                        #12
                        @ bergsteiger
                        Bei der Entsalzung entsteht zunächst einmal neben dem begehrten Trinkwasser auch Salzwasser mit erhöhtem Salzgehalt. Dieses wird ins Meer zurückgeleitet. Von dem Trinkwasser gelangt nur ein Teil anschließend in der näheren Umgebung wieder ins Meer zurück, während z.B. fast alles, was zur Bewässerung benutzt wurde, anschließend verdunstet. Der Salzgehalt gleicht sich mithin erst großräumig aus und lokal werden Gradienten unterschiedlicher Salinität verursacht, auf die viele Organismen nicht eingerichtet sind.

                        lagarto66
                        Bergführer & Biologe
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                          #13
                          wird das nicht ausgeglichen durch das viele regenwasser, dass im noerdlichen europa zur zeit in meer fliesst?
                          wie ist es eigentlich mit dem mittelmeer nahe dem nahen osten. gerade israel hat sehr viele entsalzungsanlagen.
                          bluebird

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                            #14
                            Zitat von lagarto66 Beitrag anzeigen
                            @ bergsteiger
                            Bei der Entsalzung entsteht zunächst einmal neben dem begehrten Trinkwasser auch Salzwasser mit erhöhtem Salzgehalt. Dieses wird ins Meer zurückgeleitet. Von dem Trinkwasser gelangt nur ein Teil anschließend in der näheren Umgebung wieder ins Meer zurück, während z.B. fast alles, was zur Bewässerung benutzt wurde, anschließend verdunstet. Der Salzgehalt gleicht sich mithin erst großräumig aus und lokal werden Gradienten unterschiedlicher Salinität verursacht, auf die viele Organismen nicht eingerichtet sind.
                            OK, verstanden. Danke für die Erläuterung! Ich habe daraufhin mal gegoogelt und bei Wikipedia auch Hinweise auf neuere umweltfreundliche(re?) Anlagen gefunden. Ob deren Kapazitäten allerdings ausreicht, weiß ich nicht.

                            HIER der Link

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                              #15
                              Danke lagarto für deine so ausführlichen Erläuterungen.
                              Ich finde es grad sehr interessant, viele Zusammenhänge erklärt zu bekommen, die mir als Laie so nicht bekannt waren. Wirklich schön. Auch die Erläuterungen von zoopeter in diesem Zusammenhang finde ich gut. Es ist sehr erstaunlich, wie Natur reagiert und oft scheinbar vollkommen anders, als zumindest mir das bewußt zu sein schien.
                              Was ich allerdings nicht so ganz glauben kann, ist die Thematik Abwasser. Gehe ich mal von Puerto de la Cruz aus, so gibt es dort nur ein recht kleines Klärwerk, ob dies in der Lage ist, überhaupt die Abwasser aller im Einzugsgebiet befindlichen Hotels und neuerbauten Häuser (die alten lassen sowieso meist nur versickern) aufzunehmen, bezweifle ich, abgesehen davon, dass es m.W. nach keine staatlichen Kontrollen gibt, ob ein Hotel überhaupt funktionsfähig an das öffentliche Netz angeschlossen ist. Je nach Strömung habe ich in Puerto - speziell am Martianez - oft eine ziemlich "braune Brühe" sehen können.
                              Auf alle Fälle finde ich es gut, dass hier grad ein Diskussionsthema entstanden ist, was sicher ganz Viele interessiert und das Zusammenspiel verschiedener Komponenten in der Natur von Fachleuten erklärt wird. Dafür DANKE!

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                                #16
                                War von gestern auf heute wieder auf dem Teide und bin wieder in eine neue Calima geraten. Und natürlich habe ich auch wieder die Situation der Vegetation registriert. Nach meinem subjektiven Eindruck leiden die Ginster-Arten (Retama und Codeso) doch mittlerweile stärker als wünschenswert. Sie vertrocknen schlichtweg und sterben Pflanze für Pflanze zunächst teilweise und dann ganz ab. Das sieht nicht mehr so aus, als könnte sich in den Ca?adas die Vegetation schnell wieder erholen. Das ähnelt schon eher den Resultaten eines Brandes - tot ist tot. Soweit mir bekannt, überstehen die Ginster solch ein Absterben nicht, weil ihre Wurzeln ebenfalls vertrocknen. Ich möchte also vorsichtshalber meine früheren optimistischen Aussagen etwas relativieren. Bis die Ca?adas wieder im Frühjahr eine reiche Ginsterblüte und damit Bienenweide aufweisen werden, könnten einige kargere Jahre vergehen.

                                Der Hintergrund dürfte sein, dass das poröse Bimsgeröll, auf dem die Ginster wachsen, von der Calima zu sehr ausgetrocknet wird. Normalerweise schlägt sich abends Feuchtigkeit aus der Luft in diesen Poren als flüssiges Wasser nieder und wässert so die darauf spezialisierten Pflanzen. Vor allem nächtliche Calima verhindert nicht nur die Abkühlung, die Voraussetzung der Kondensation des Wassers in den Poren ist, sondern entzieht dem Bims zusätzlich Wasser. Das überstehen unsere Endemiten dann allmählich trotz ihrer besonderen Anpassungen nicht. Bisher sind viele Pflanzen, aber keineswegs alle von dieser Entwicklung betroffen; es entsteht ein kleinräumiges Verteilungsmosaik aus angegriffenen / toten und noch lebenden Pflanzen. Noch besteht also Hoffnung, dass von letzteren ausgehend sich die Pflanzendecke in den Ca?adas relativ bald wieder erholt. Aber Genaues kann ich momentan nicht vorhersagen. Hoffen wir auf ein Ende dieser ungünstigen Wettersituation.

                                lagarto66
                                Bergführer & Biologe
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